Heute

unterrichte ich Storytelling für Journalistinnen, Journalisten und Kommunikationsfachleute in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Und schreibe über das Schreiben. Das kam so (ich erzähl das jetzt mal chronologisch):

Erste Anfänge

Als Erstsemester in Bamberg (ich studierte Deutsch und Psychologie) stieg ich ein beim Stadtblatt „Dä Goblmoo“. Wir besorgten die Gegenöffentlichkeit (so sagte man damals) zur CSU-freundlichen Tageszeitung „Fränkischer Tag“. 25 Jahre später heuerte mich die Mediengruppe Oberfranken – zu der der Fränkische Tag gehört – für einige Storytelling-Workshops an. Der Anfrage kam ich besonders gerne nach.

Praxisschock

Praktikum bei den „Grünen Blättern“, der Mitgliederzeitschrift der GRÜNEN Baden-Württemberg in Stuttgart. Als Soloredakteurin war ich meine eigene Ausbildungsbeauftragte. Nach sechs Monaten in der Parteizentrale hatte ich mir das Wichtigste beigebracht. Und mir war klar, dass ich mich von Parteien künftig fernhalten würde. Fundis und Realos hatten Zeilen gezählt und mir Parteilichkeit vorgerechnet.

Radio

Die erste berufliche Liebe. Erweckungserlebnis an der Uni im Praxisseminar „Das Hörfunk-Feature“. Ich ergatterte eine Hospitanz beim Bayerischen Rundfunk (1986), wurde dort Feste Freie und 1988 Volontärin beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Entwarf als Redakteurin die Jugendsendung „Radio unfrisiert“, plante Sendungen für die Abteilung „Unterhaltung Wort“, moderierte ein Wissenschaftsmagazin, schrieb und redigierte Feature-Sendungen. Das Leben war schnell, die Lust zu Produzieren groß. Das Bedürfnis, zu reflektieren, wuchs.

Studienleiterin

1993 wechselte ich deshalb zur Evangelischen Medienakademie in Frankfurt. Gab und entwickelte Kurse, Porträtschreiben, Reportage, Kreativität, Zeitmanagement, ein Coaching für JournalistInnen. Erfand mit einem Radiokollegen den Kurs „Erzählen im Journalismus“. Lernte Workshops gestalten und Teilnehmende bei Laune zu halten. Irgendwann fand ich, dass ich zu viel Zeit in Sitzungen, mit Gremien und Verwaltung zubrachte, zu wenig entscheiden konnte und entschied, zu gehen. Bei der Verabschiedung 2000 wurde ich als „Spezialistin für Orchideenkurse“ gewürdigt. Das seltsame Prädikat bezog sich auf meine Themen „Erzählen“ und „Coaching“, die damals noch keine andere Journalistenakademie im Programm hatte.

Gesellschafterin

Fast zeitgleich verließen Rainer Lange und Marianne Ohmann, die Leiter des Studiengangs Öffentlichkeitsarbeit im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, unsere gemeinsame Arbeitgeberin. Um die inspirierende Kollegialität und das gemeinsame Lernen, Lehren und Lästern fortsetzen zu können, gaben wir uns eine neue Form: Wir gründeten die Partnergesellschaft „ohlala Kommunikation und Beratung“ entsprechend unseren Nachnamen Ohmann, Lange, Lampert. Wir bewirtschafteten die Felder Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, berieten Kunstvereine und Klöster, schrieben für eine Krankenkasse und beförderten Kommunikationskultur in Unternehmen.

Corporate Publishing

Die Evangelische Kirche im Kirchengebiet Hessen und Nassau (EKHN) hatte mich 1996 zur Redakteurin ihres Mitgliedermagazins „echt“ bestellt. Ich lernte, monothematische Wundertüten zu basteln und Botschaften zart und fein in Geschichten einzuwickeln. 2000 beförderte mich der Herausgeber zur stellvertretenden Redaktionsleiterin. „Echt“ wurde viermal im Jahr per Post allen Haushalten zugestellt, in denen mindestens ein evangelischer Mensch lebte. Die Auflage betrug 1,1 Millionen. 2011 entschied die EKHN-Synode, „echt“ einzustellen.

Online-Redakteurin

Beate Füth, Geschäftsführerin der ABZV (Bildungswerk der Zeitungen) war ein Fan meines Lehrbuchs „Storytelling für Journalisten“, das 2011 erschien. Die Form eines gedruckten Buches allerdings fand sie vorsintflutlich. Sie ließ mich eine „Online-Werkstatt Storytelling“ für die Website der ABZV konzipieren. Ich lernte das Hantieren mit Content-Management-Systemen. Stellte gut erzählte Texte vor, analysierte, worin das Gute bestand und leitete handwerkliche Regeln und Tipps daraus ab. In fünf Jahren entstanden 44 Analysen von Best-Practice-Beispielen. 2016 versiegte die Finanzierungsquelle der ABZV in Folge eines Gerichtsurteils (die Ausschüttung der VG Wort an die Zeitungsverlage wurde als nicht rechtens erklärt), die „Werkstatt Storytelling“ hatte fertig. Unter „Praxisbeispiele“ sind die meisten der Texte, Analysen und Interviews wieder zugänglich.

Trainerin

Die zweite berufliche Liebe. Ich unterrichte seit 1993, als Selbstständige seit 2000. Beim Unterrichten kommen die Neigungen zum Tragen, die mich schon meine Studienfächer wählen ließen. Die Faszination für schöne Texte. Und die Freude am Phänomen Mensch. Flowverdächtig: in Workshops gemeinsam an Form und Inhalt von Texten und Beiträgen zu arbeiten. Handwerkszeug zu vermitteln, das hilft, den noch schlüssigeren Zugang zu finden. Die noch verständlichere, spannendere Variante zu erkennen. Die Geschichten aus dem Thema herauszuwickeln.

Highlights?

Die Auszeichnung des Hörfunk-Feature „Sexuelle Gewalt gegen Kinder“ 1991 mit dem Elisabeth-Selbert-Preis der Hessischen Landesregierung. Schön zu wissen: der Politikerin Elisabeth Selbert, Anwältin aus Kassel, verdanken wir Artikel 3 des Grundgesetzes: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.
Der Erfolg des Buches „Storytelling für Journalisten“ (Co-Autor Rolf Wespe) mit drei Auflagen in drei Jahren, und der vierten Auflage im September 2017.
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