Praxisbeispiel Folge 12
Der Kaufhof macht zu

Ein Drama, nicht nur für die Angestellten. Heimat ade.

Nürnberger Nachrichten, 12. Mai 2012

Das Ende naht: Die Luft ist geschwängert von Wir-Gefühl

Was man hinter der Kaufhof-Wabenfassade nicht vermutet: Verschworene Stammtisch-Runden und gelenkige Senioren beim Tanzen

Claudine Stauber

Es ist doch nur ein Kaufhaus. So weit entfernt kann man von der Wahrheit sein. Der Kaufhof am Aufseßplatz, der Mitte Juni schließt, ist so viel mehr. Tanztee, Stammkneipe und Kulturladen mit Familienanschluss in einem.

Im Erdgeschoss an der Wölckernstraße liegt das dunkle Land der Stammtische. Irgendeine verschworene Gruppe sitzt immer um einen der wuchtigen Tische im Saal der „Fränkischen Stube“. Die Fußballer oder die Kartler, die Schlesier oder die Pensionäre „gutgelaunt“. Vier, fünf Kollegen seien schon tot, sagt Rolf Geißler (70), der zu den Pensionären gehört und nicht wirklich gut gelaunt aussieht. Und jetzt das.

Das. Alle wissen, was gemeint ist. Jetzt schauen sie stumm in ihre Gläser, Geißler, der seit 15 Jahren Stammgast ist, und sein Kompagnon Helmut Rupp (73), dessen Bräune den Florida-Reisenden verrät und der schon 18 Jahre herkommt. Aus ist’s mit dem „Schocken“, aus mit den vertrauten Mittagsgesprächen, die immer um drei Themen kreisen: um Fußball, um Politik und um die Benzinpreise.

Dass ihr Vorschlag, die ramponierten spinatgrünen Wände endlich mal frisch zu streichen, ins Leere lief, wen kümmert’s. Dass die „Fränkische Stube“ mit ihren künstlichen Gummibäumen, den kolossalen Kupferleuchten und den ewigen Fußballspielen auf den Bildschirmen so gemütlich ist wie ein fensterloser Wartesaal, fällt keinem auf. Wo Bedienungen und Verkäuferinnen mit Handschlag oder einem Schmatz auf die Backe grüßen, steckt man das weg. Sie nicken.

Kein schöner Klotz

Auch der weiße Klotz mit der wabenförmigen Fassade, den sie in der Südstadt seit 1926 Schocken nennen, ist nicht schön. Doch in seinem Inneren, wo der Ausverkauf tobt, ist die Luft geschwängert von Wir-Gefühl. In der Kneipen-Höhle, aber auch drei Stockwerke drüber, im vornehm beige gehaltenen Dinea-Restaurant, wo die Senioren tanzen. Doch dazu später.

Immerhin bietet eine ehemalige Kaufhof-Mitarbeiterin, die notgedrungen zur Wirtin umsattelt, den Stammgästen in der „Silbernen Kanne“ ums Eck Asyl an. Doch ob es jemals wieder so wird? Annika Bozinovic, die Kroatin mit den flinken Augen, wird nicht mehr hinter ihrem Zehn-Meter-Tresen mit den leeren Glasvitrinen stehen. Drei Minuten kann sie tapfer über „meine Leut’“ und, etwas leiser, über „den Horst da drüben“ sprechen, der so schwer Krebs hat. Dann steht ihr das Wasser in den Augen, irgendwo bei den Flaschenöffnern muss doch ein Tempo liegen.

Als das Aus vor einem knappen Jahr verkündet wurde, hat Annika nachts oft vom Kaufhof geträumt. Keine Sekunde muss sie nachdenken, bevor sie eine Zitronenscheibe in ein alkoholfreies Bier fallen lässt. Was einer will, sie weiß es. Erst vier Koteletts, für 3,98 Euro inklusive Bier unschlagbar billig, hat sie um 13.15 Uhr verkauft. Bier allein geht besser.

Da drückt sich „Mecki“ heran, der schon als Bub hier einkaufen war. „Der Horten geht mir nach“, sagt er und schiebt sein Bier über die Selbstbedienungsstraße aus Edelstahl, „des is mei soziale Ader.“ Annika Bozinovic wird mit 62 in Rente gehen, sich nach Leiharbeit umsehen. Und noch ein paarmal weinen.

Der Abwickler

Das sei „eine ganz emotionale Geschichte“. Jens Bahlmann, 32, Diplom- Ökonom aus der Solinger Gegend und der Abwickler am Aufseßplatz, ist kein kalter Yuppie. Ein Haus, in dem die Menschen oft in der dritten Generation arbeiten, braucht etwas anderes. Die Zeit drängt, fünf Wochen noch für Rabatte, Abschiedstränen und letzte Verhandlungen.

Eilig spricht der junge Chef in seinem hellen Büro unterm Dach von sozialverträglichen Lösungen, von Jobs und Abfindungen. Fast 90 Prozent der 72 Kaufhof-Leute seien „versorgt“. Finanziell, nicht emotional, wohlgemerkt. Wenn sich dann Kneipengäste, Käufer und Verkäuferinnen, Tänzer und Bedienungen am Aufseßplatz in alle Winde zerstreuen, muss auch Bahlmann, der Wanderarbeiter im dunklen Anzug, weiterziehen. Wohin es geht, er weiß es nicht.

Tanz im Restaurant

Wo spärliche Kundschaft im dritten Stock unlustig reduziertes Geschirr und billige Wolldecken mustert, setzt Punkt 14 Uhr plötzlich Musik ein. Dinea-Restaurant, Tanz mit Alleinunterhalter Walter, die Bude ist voll. Nach der Kneipe unten der zweite, höchst erstaunliche Kaufhof-Kosmos, den man hinter den weißen Betonwaben nicht vermutet.

Um ihn sorgt sich ein anderer Chef. Johannes Stursberg, ein 61-Jähriger im Trachtenjanker, seit 32 Jahren für beide Lokale zuständig. Heimatlos seien seine Tänzer, das grämt ihn fürchterlich. Sieh’ da, auch hinter Stursbergs Brille wird es feucht. Die Frauen mit den Silberlocken und die Männer mit den grauen Köpfen, die sich auf dem Parkettrondell unter den Rüschen an der Decke drehen, haben nirgends Asyl gefunden.

Wo wird Harald Schumann, 69 und gelenkiger Hahn im Korb, seine Anneliese zum Twist führen? Schumann hat eiserne Grundsätze, er tanzt nur mit der eigenen Frau. Würde er auch nur einer anderen den kleinen Finger reichen, hätte er keine Sekunde Ruhe mehr bei dem Frauenüberschuss, da ist er ganz sicher.

Alle kennen sich, verfolgen über Jahre, wie sich Paare finden oder nicht, erfahren, warum manche nicht aufs Standesamt gehen („Ich verheirat’ doch net mei Rente“, sagt eine Mollige), und verabschieden sich immer dienstags oder donnerstags mit demselben herzergreifenden Ritual. Die Musik spielt „Ciao amore“ und alle winken mit weißen Taschentüchern Adieu.

„Die dahinten tanzt am besten“, nickt eine mit dem Kopf zu einer toupierten Schlanken, die gerade Pause macht. Sogar Spitznamen haben sie sich gegeben, der „Italiener“ heißt einer, warum auch immer, einer „Bierholer“, das erklärt sich leichter. Tanzpause. Ob sich Schumann ihren kaputten Geschirrspüler ansehen könnte, fragt eine Frau. Macht er, jederzeit. Solange sie nicht mit ihm tanzen will.

Analyse

Das Tableau besteht aus 16 Personen an drei Schauplätzen im Kaufhaus. Claudine Stauber stellt sie jeweils auf ihrer Bühne vor. Illustration: Brigitte Seibold (www.prozessbilder.de)

Kernaussage

Claudine Stauber hat entschieden, was sie erzählen will: Die Leser sollen miterleben, inwiefern das Schließen des Kaufhofs für die Stammtischbrüder „Gutgelaunt“ und die Tänzer im „Dinea“ einen schweren Verlust bedeutet, wie sie trauern über den Verlust von Heimat und Geborgenheit. Und dass selbst der Abwickler verstanden hat, dass finanzielle und emotionale Versorgung nicht dasselbe sind.

Figuren und Orte

Jeder der drei Schauplätze hat seine Hauptfigur: Annika Bozinovic ist die Seele der Fränkischen Stube, Harald Schumann der Hingucker im Tanzlokal. Die beiden sind eindeutig die Könige der Herzen. Die Chefs sind nicht zentral, werden aber angemessen gewürdigt (Abwickler Jens Bahlmann im Büro unterm Dach und Johannes Sturberg, Chef beider Lokale, der im Tanzlokal auftritt).

Ordnung im Gewusel

Alle 16 Mitwirkenden haben Attribute und Funktionen, manche Vor- und Zunamen, Vornamen oder Spitznamen, sie werden plastisch oder bleiben blasser. Damit führt die Autorin die Aufmerksamkeit ihrer Leser, sie erreicht einen Vordergrund/ Hintergrund-Effekt, eine Unterscheidung von Haupt- und Nebenfiguren. Es entsteht ein Bild zweier Gruppen, jede für sich ein intim-vertrautes „Wir“.

Rolf Geißler: 70 Jahre, Pensionäre „gutgelaunt“, seit 15 Jahren Stammgast
Helmut Rupp: 73 Jahre, gebräunt, Florida-Reisender, seit 18 Jahren Stammgast
Annika Bozinovic: Wirtin, Kroatin mit flinken Augen, hat nachts oft vom Kaufhof geträumt, weiß, was Gäste trinken wollen, ist traurig und tapfer
Horst: (via Annika: „Horst da drüben“) hat schwer Krebs
Mecki: war schon als Bub hier einkaufen, sagt: „Der Horten geht mir nach, des is mei soziale Ader“
Jens Bahlmann: 32 Jahre, Abwickler, Diplom-Ökonom, kein kalter Yuppie
Walter: Alleinunterhalter
Johannes Stursberg: 61 Jahre, Trachtenjanker, seit 32 Jahren für beide Lokale zuständig
Harald Schumann: 69 Jahre, Tänzer, gelenkiger Hahn im Korb, tanzt nur mit Anneliese, kann Geschirrspüler reparieren
Anneliese Schumann: Tänzerin, Frau von Harald
Eine Mollige: Tänzerin, sagt: „Ich verheirat doch net mei Rente“
Eine Tänzerin, die sagt; „Die dahinten tanzt am besten“
Eine toupierte Schlanke: tanzt am besten, macht grade Pause
Der Italiener: Tänzer
Der Bierholer: Tänzer
Eine Frau: Tänzerin mit kaputtem Geschirrspüler, fragt Schumann, ob er sich den mal ansehen kann

Leitfrage und roter Faden

Die Frage: was wird aus uns / aus mir? wird für die Protagonisten jeder Gruppe, jedes Schauplatzes beantwortet. Die Gäste der Fränkischen Stube haben einen Asylplatz in der „Silbernen Kanne“ in Aussicht, ihre Wirtin wird sich Leiharbeit suchen. Jens Bahlmann, der Wanderarbeiter, wird weiterziehen, sobald er den Kaufhof aufgelöst hat. Den tanzenden Senioren droht Heimatlosigkeit.

Verdichtete Motive

Claudine Stauber hat ein zweites Motiv durch alle Schauplätze verfolgt: Die Tränen ihrer Hauptfiguren. Der Wirtin steht das Wasser in den Augen, sie sucht nach einem Tempo. Der Abwickler weint nicht selbst, aber der Begriff „Abschiedstränen“ ist in seinen Absatz hineingewoben. Hinter der Brille des Restaurant-Chefs „wird es feucht“.

Zitate und Duktus

Claudine Stauber zitiert meist indirekt. So gestaltet sie ihren Duktus, sie verknappt und verdichtet. Es gibt nur gerade mal drei Protagonisten, die ganze Sätze sagen dürfen, starke Sätze und im Dialekt: „Der Horten geht mir nach, des is mei soziale Ader“ und „Ich verheirat doch net mei Rente“. Und: „Die dahinten tanzt am besten“.

Intime Vertrautheit

Was macht Intimität, Vertrautheit aus? Die Autorin vermittelt die familiäre Stimmung in den Kaufhof-Biotopen über Charakteristika wie Spitznamen, Lieblingsgetränke, eine Krankheit, Urlaubsvorlieben oder eiserne Grundsätze. Entscheidend ist die Art, wie sie ihre Figuren zueinander in Beziehung setzt, sie übereinander sprechen und miteinander agieren lässt – bis hin zum Schmatz auf die Backe, dem Willkommensgruß der Wirtin Annika. Nicht zu vergessen das Adieu-Ritual der Tänzer.

Handlung und Entwicklung

Claudine Stauber nimmt ihre Leser mit in den Kaufhof-Kosmos, führt immer tiefer hinein in das soziale Biotop, das sich hinter der öden Fassade verbirgt. Sie beschreitet drei Schauplätze nacheinander und stellt jeweils auch die räumliche Verbindung her. Von der Stammtisch-Stube geht es unters Dach ins Büro, von dort in den dritten Stock ins Restaurant. Die klare räumliche Orientierung hilft, die Personen zuzuordnen. Am Ende haben wir begriffen: Dieses Kaufhaus war mehr als Krabbeltisch und Schlussverkauf. Es war Heimat.

Autorin

Claudine Stauber

Foto: Horst Linke

Claudine Stauber, geboren 1956, volontierte bei den Nürnberger Nachrichten (NN) und blieb dann drei Jahre als Lokalredakteurin. Anschließend studierte sie Politik, Geschichte und Soziologie an der Universität Erlangen. Nach Abschluss des Magisters kehrte sie zurück zu den NN, heute ist sie wieder Lokalredakteurin mit dem Schwerpunkt Lokalreportagen.

Hat eine der Geschichten im Text Sie besonders berührt?

Die Geschichte von Annika Bozinovic, der Frau hinter dem Tresen. Sie weinte, als ich mit ihr sprach. Da war mir klar, wie sehr sie und viele andere an diesem Kaufhof hängen. Außerdem sind alle Geschichten der älteren Leute – wie die Partnersuche beim Tanztee – total herzergreifend. So traurig! Für den Text natürlich ein Glücksfall, aber halt sehr traurig.

Waren diese kleinen Welten innerhalb des Kaufhofs in Nürnberg stadtbekannt oder haben Sie das recherchiert?

Mir war das völlig neu. Vor einigen Monaten schrieb ich über ein schräges Kunstprojekt und die Leute schlugen die „Fränkische Stube“ als Treffpunkt vor – eben weil sie auch so wahnsinnig schräg ist. Dabei lernte ich die Kneipe kennen und dachte, eines Tages mach‘ ich darüber etwas.

Als dann bekannt wurde, dass der Kaufhof schließt, haben wir natürlich viel berichtet, über die Verkäuferinnen, die Kunden, die Bedeutung für den Stadtteil. Ich habe mich unter anderem mit einer Mitarbeiterin getroffen. Sie hat nebenbei diesen Tanztee erwähnt. Und dann war mir klar, dass ich die Geschichte über das Innenleben des Kaufhofs jetzt machen muss. Sonst wird es zu spät.

War der Zeitpunkt Ihrer Recherche wichtig?

Der war entscheidend. Ich war sechs Wochen vor der Schließung in dem Haus. Da waren alle Eingaben gemacht, alle Hoffnungen verflogen. Es gab jetzt keine Gegenwehr mehr. Deshalb verdichtete sich die Geschichte so. Ein halbes Jahr vorher wäre das noch nicht gelungen.

Ich muss mich weich machen

Haben Sie Interviews geführt – oder eher mit den Menschen geplaudert?

Da setzt man sich mit den Leuten an den Tisch. Ich lasse in der Situation alles auf mich zukommen. Ich muss mich ja weich machen. Da schüttet einem fast jeder das Herz aus. Und zum Teil sind das ja sehr kaputte Leute.

Haben Sie beim Pressesprecher offiziell einen Termin gemacht?

Ja, ich habe mich angemeldet. Das musste ich, obwohl es ein Risiko war. Wenn er die ganze Zeit dabei gewesen wäre, hätte ich die Geschichten so nicht bekommen. Aber der Interimsgeschäftsführer hat mich machen lassen. Und der Geschäftsführer des Restaurants, in dem der Tanztee stattfindet, wollte selbst erzählen. Das gibt es natürlich nur ganz selten. Auch das war ein Glücksfall.

Wo haben Sie Ihre Gespräche angefangen?

In der Kneipe. Da musste ich nur ein paar Minuten warten. Dann hat Frau Bozinovic loserzählt. Sie – und die anderen – haben ja gespürt, dass ich echtes Interesse hatte. Mich hat das ja auch sehr berührt.

Wie haben Sie ihre Gesprächspartner ausgewählt?

Ich habe mich, wie gesagt, auf die Situation eingelassen. Beim Tanz zum Beispiel wurde ich gleich zu dem geschickt, der „der Chef“ ist, also Herr Schumann, der gute Tänzer. Ich habe aber auch mit anderen geredet. Man will ja nicht nur die Chefperspektive.

Sie haben sich für 16 Personen entschieden. Wie haben Sie Ihre Protagonisten gewählt?

Nach der Dichte der Geschichte. Zum Beispiel der Chef des Restaurants sollte zunächst nicht vorkommen – aber dann war er so gut, dass er auf jeden Fall dabei sein sollte.

Zwei Spalten im Notizbuch

Wie gehen Sie handwerklich bei der Auswahl vor?

Schon bei der Recherche mache ich zwei Spalten in meinem Block – eine für die Fakten und Zitate und eine für die „weichen Sachen“. Tränen etwa, dass er einen Trachtenjanker anhat, was die Musik spielt. Das alles notiere ich – sonst ist es weg! Später markiere ich in Rot die besten Passagen und wähle aus. Dabei hilft mir eine Mischung aus Intuition und Routine.

Der rote Faden sind die Tränen. Mal beiläufig – das gefällt mir besonders gut: „irgendwo bei den Flaschenöffnern muss doch ein Tempo liegen.“–

Mmh!

Oder ausdrücklich: „Abschiedstränen“. „Noch ein paar Mal weinen.“ „Sieh‘ da, auch hinter Stursbergs Brille wird es feucht.“ Das war sicher eine bewusste Entscheidung?

Ja, es ist immer schön, wenn man einen roten Faden hat!

Zitate sind todlangweilig

Sie setzen wenige vollständige Zitate ein. Wie kommt das?

Mit Zitaten geht viel verloren! Zitate sind ganz oft todlangweilig. Wenn ich sie einfach nur aneinanderreihe, verliere ich die Möglichkeit, etwas zu bewerten, meine eigene Wahrnehmung zu schreiben. Für mich wird der Text mit meiner Einschätzung – und viel indirekter Rede besser, näher, lebendiger. Das ist für Reportagen mein Stil.

„Es ist doch nur ein Kaufhaus.“ Der erste Satz. Wie kam es dazu?

Darin manifestiert sich am besten der Kontrast zwischen Innensicht und Außensicht, zwischen dem, was der Leser kennt und was ihn überrascht. Ich habe den Satz erst am Schreibtisch gefunden. Er entstand noch nicht in den Stunden im Kaufhof.

Der Schluss klingt eher heiter. Weshalb haben Sie sich dafür entschieden?

Das hat sich angeboten. Man hat nach dieser Geschichte das Bedürfnis zu sagen, dass irgendetwas weitergeht. Manchmal mache ich gerne einen Zirkel und komme am Ende noch einmal auf den Anfang zurück – in dem Fall auf die Kneipe. Aber das bot sich nicht an.

Wann und wie lange haben Sie an dem Text gearbeitet?

Er war für einen Samstag eingeplant. Ich habe zwei, drei Tage nach der Recherche geschrieben und vier bis fünf Stunden gebraucht. Es ist ein besonderer Text geworden. Ganz und gar kein alltäglicher.

Das Gespräch mit Claudine Stauber führte Irene Dänzer-Vanotti.